TAGUNG DER ERFOLGREICHSTEN MAKLER VON WILLIS WAS ICH EINEM VERSICHERUNGSMAKLER SCHON IMMER MAL SAGEN WOLLTE Loews Ventana Canyon Resort William J. Kelly Tucson, Arizona Managing Director J.P. Morgan 14. April 2000 Chairman International Federation of Risk and Insurance Management Associations (www.rims.org/ifrima) WILLIAM J. KELLY William J. Kelly ist Managing Director bei J.P. Morgan, dem f¸hrenden globalen Finanzdienstleister mit Hauptsitz in New York City. In dieser Funktion ist er unter anderem mit der Leitung des Risiko- und Versicherungsmanagements sowie verschiedener anderer Ressourcenbereiche betraut. Vor seinem Eintritt bei J.P. Morgan vor f¸nfzehn Jahren war er Direktor der Abteilung Risiko- und Versicherungsmanagement bei Merrill Lynch. William Kelly ist der amtierende Chairman der International Federation of Risk and Insurance Management Associations *(IFRIMA), der globalen Dachorganisation von 30 nationalen und regionalen Interessenverb”nden in weltweit mehr als 20 L”ndern. Zugleich ist er Vorstandsmitglied des Global Risk Management Institute. Von 1995 bis 1996 fungierte er als Pr”sident der Risk and Insurance Management Society (RIMS), der weltweit gr–þten Organisation ihrer Art (4.500 Gruppen in den USA und Kanada sind mit insgesamt 8.000 Mitarbeitern im Mitgliedsraster vertreten). Dar¸ber hinaus geh–rt Herr Kelly dem Risk Management Advisory Council der Allianz Insurance Company und dem National Accounts Advisory Board of AIG an. Er steht als Direktor der Spencer Educational Foundation vor und saþ im Risk Management Executive Council der Protection Mutual Insurance Company. Herr Kelly ist ehemaliger Chairman des Insurance Committee der American Bankers Association (ABA) und diente als Chairman der ABA National Security and Risk Management Conference 1993 sowie als Co-Chairman des Monte Carlo Risk Management Forum 1995. 1995 wurde er vom New Yorker Verband der CPCU mit dem Matthew Lenz Risk Management Award ausgezeichnet. Herr Kelly h”lt auf internationalen Tagungen h”ufig Vortr”ge zu Fragen des Risiko- und Versicherungsmanagements und hat zahlreiche Artikel zu diesem Thema ver–ffentlicht. Seine Karriere in der Versicherungsbranche begann Herr Kelly 1972 als INA-Agent. Danach f¸hrte ihn sein Berufsweg zur Chase Manhattan Bank, wo er eine leitende Funktion der Risikomanagement-Abteilung innehatte, und dann zur Bankers Trust Company, wo er mit der Position des Vize-Pr”sidenten betraut wurde. Herr Kelly hat einen Bachelor of Arts in englischer Literatur von der Fordham University in New York City und ein Masters Degree in Betriebswirtschaft von der Fordham Graduate School of Business at Lincoln Center. * www.rims.org/ifrima Guten Morgen Zuerst einmal m–chte ich Ihnen zu Ihren hervorragenden Leistungen in diesem Jahr gratulieren. Soweit ich informiert bin, werden in ihrer Firma derzeit umfassende Umstrukturierungen durchgef¸hrt. Dabei werden viele gute Ideen in die Tat umgesetzt. So positiv wie diese Ver”nderungen auch sein m–gen, ich weiþ, welche Schwierigkeiten dieser Wandlungsprozess mit sich bringen kann. An diesen Initiativen sind oftmals junge, dynamische hyperaktive Unternehmensberater beteiligt, die die Organisation infiltrieren und jeden Mitarbeiter dazu auffordern, ìdie linke Seite ihres Gehirns f¸r kreatives Denken zu benutzen Ö zu erkennen, dass Ver”nderungen neue M–glichkeiten er–ffnenî und ñ mein Lieblingsspruch ñ ìauþerhalb der Schablonen zu denkenî. Solche abgedroschenen Phrasen sollten wirklich verboten werden. Trotz der Angst vor diesen umw”lzenden Ver”nderungen ist die Erreichung dieser Ziele ñ wie wir noch sehen werden ñ von ”uþerster Wichtigkeit. Am 17. Februar erhielt ich eine E-Mail mit einer Einladung zu der heutigen Veranstaltung. In meinem Vortrag sollte ich die Charakteristiken, Kompetenzen und Verwaltensweisen erl”utern, die mich dazu bewegen w¸rden, eine Gesch”ftsbeziehung mit einer Versicherungsagentur einzugehen. Im letzten Satz der E-Mail hieþ es, dass dies eine hervorragende Gelegenheit sei, alles das zur Sprache zu bringen, was ich Versicherungsmaklern schon immer mal erz”hlen wollte. Da konnte ich nat¸rlich nicht nein sagen. Obwohl ich als Versicherer und Risikomanager gearbeitet und sogar vor einigen Jahren die Lizenzpr¸fung f¸r Versicherungsmakler im Bundesstaat New York bestanden habe, war ich niemals als Makler t”tig. Da ich in diesem Bereich keine konkreten Erfahrungen oder spezifischen Kenntnisse besitze, bin ich also v–llig vorurteilsfrei. Andererseits habe ich jahrelang kleinere Teams gemanagt, die als die alleinigen Versicherungszwischenmakler f¸r globale Organisationen fungierten. Daher weiþ ich, wie schwierig es ist, sich auf die Erfordernisse anspruchsvoller, globaler Kunden einzustellen und sie zu erf¸llen. Ich m–chte dieses Thema erl”utern, indem ich von den spezifischen zu den allgemeinen Gesichtspunkten ¸bergehe, von den ”uþerst pers–nlichen Vorlieben und Abneigungen zur allgemeinen Betrachtung der gesamten Branche. Was die pers–nlichen Vorlieben betrifft, so werden ich Ihnen meine zehn wichtigsten Gr¸nde f¸r eine Gesch”ftsbeziehung mit einem Versicherungsmakler nennen. Ich werde mich dabei auf Versicherungsmakler im Allgemeinen beziehen, Sie haben sich schon durch Ihre hervorragenden Leistungen ausgezeichnet. Ich m–chte mich im Voraus entschuldigen, wenn ich mich des ÷fteren auf Versicherungsgesch”fte beziehe. Ich weiþ, dass Makler versuchen, sich von dem Gesch”ft zu distanzieren, da sie ihre Rolle allgemeiner als die des Beraters definieren wollen ( genauso wie Risiko- und Versicherungsmanager keinesfalls der Ansicht sind, dass die Beschaffung zu ihrem T”tigkeitsbereich geh–rt. Auþerdem spreche ich aus der Sichtweise eines globalen Groþunternehmens. Beginnen wir zun”chst mit der allerwichtigsten Eigenschaft, die ein Makler, insbesondere der Kundenbetreuer, meines Erachtens besitzen muss: eine genaue Kenntnis der Ressourcen der Versicherungsagentur selbst. Meiner Ansicht nach verf¸gen alle gr–þeren Versicherungsagenturen ¸ber ausgezeichnete F”higkeiten. Ich brauche jemanden, der weiþ, wo diese zu finden sind und der sich einen direkten Zugang zu ihnen verschaffen kann. Der beste Kundenbetreuer, mit dem ich jemals zu tun hatte, war nicht unbedingt ein Experte, was die technischen Aspekte des Gesch”fts anging, sondern er kannte seine Firma und ihre Ressourcen. Als Risikomanager bin ich niemals von einer Groþagentur zu einer anderen ¸bergewechselt, weil die Leistung der Firma unbefriedigend war. Ich habe Kundenbetreuer gewechselt, um den besten Zugang zu einer erstklassigen Dienstleistung zu erhalten. Risikomanager, die aufgrund einer schlechten Serviceleistung ihre Versicherungsagentur wechseln, haben es vers”umt, die erstklassigen Mitarbeiter, die in jeder Groþagentur vorhanden sind, in Anspruch zu nehmen. Ich habe einige wenige Male gewisse Teilaspekte eines Gesch”fts auf Makler ¸bertragen, die sich auf einen bestimmten Bereich spezialisieren. Einer meiner fr¸heren Arbeitgeber z. B. hatte eine Tochtergesellschaft, die Drittunternehmen bei der Versetzung und dem Wohnungswechsel von F¸hrungskr”ften unterst¸tzte. Als Teil dieses Relocation-Gesch”fts besaþen wir ein Portfolio von ca. 9000 Wohnungen und H”usern innerhalb der gesamten Vereinigten Staaten. Ein Repr”sentant einer sehr kleinen Versicherungsagentur in Connecticut machte ein Angebot f¸r dieses Portfolio. Da eine erstklassige Versicherungsagentur mit der Sach- und Haftpflichtdeckung beauftragt worden war, r”umte ich der kleineren Firma wenig Chancen ein. Die Firma bot uns jedoch ein dreij”hriges, unk¸ndbares Programm eines erstklassigen Versicherers mit ¸berzeugenden Kosteneinsprarungen an. Solange gr–þere Agenturen versuchen, ihr Spektrum m–glichst breit anzulegen, um es jedem recht zu machen, werden sie solche Seitenhiebe von kleineren Konkurrenten einstecken m¸ssen. Der Vergleich zwischen Versicherungsagenturen ist wie der Vergleich zwischen Universit”ten. Welche ist die Beste? Harvard, Yale, Princeton, oder wie in meinem Fall, Fordham, Columbia, NYU? Man darf da nicht verallgemeinern. Es kommt im Endeffekt auf einen Vergleich zwischen bestimmten Fakult”ten und bestimmten Professoren an, das heiþt, es kommt auf die Leute an. Kann man in jeder dieser Institutionen eine erstklassige Ausbildung erlangen? Nat¸rlich, wenn man die richtigen Ressourcen in Anspruch nimmt. Ich habe vorhin schon erw”hnt, dass ein Kundenbetreuer, der die Ressourcen seiner Firma kennt und sie f¸r mich ausnutzen kann, von ”uþerster Wichtigkeit ist. Wenn mir diese Ressourcen aus irgendwelchen kulturellen, politischen, geografischen oder finanziellen Gr¸nden nicht unmittelbar zur Verf¸gung stehen, ist es so als ob es sie gar nicht geben w¸rde. Die Ðberwindung dieser Hindernisse, die sich der Bereitstellung von erstklassigen Dienstleistungen in den Weg stellen, ist innerhalb der Versicherungsagenturen selbst schwierig, da diese oft unter einer Krankheit leiden, die ein ehemaliger stellvertretender Vorsitzender von J.P. Morgan als ÑProfit Centeritisì bezeichnete. In Bezug auf das unternehmensweite Risikomanagement weisen bestimmte Versicherungsagenturen nun darauf hin, dass sie die Ressourcen von Schwestergesellschaften nutzen werden, um ein gr–þeres Spektrum von Risiken abdecken zu k–nnen. Dies ist eine ausgezeichnete aber nicht vollkommen unproblematische Idee, die vielleicht ein v–llig neues Kompensationsmodell und Organisationsger¸st erfordert. Wenn es einen hervorragenden Kundenbetreuer gibt, muss der Risikomanager in den meisten F”llen nicht direkt mit den verschiedenen Fachkr”ften in Kontakt treten, die den Kundenbetreuer mit ihrem Knowhow unterst¸tzen. Makler m–chten jedoch h”ufig Ñdas Teamì vorstellen. Bei der ersten Besprechung einer neuen Versicherungsinitiative wird also Ñdas Teamì zusammengetrommelt. Ich muss normalerweise erst einmal herausfinden, ob das Konferenzzimmer, das ich reserviert habe, genug Platz hat, um das Team und mich zu beherbergen. Versicherungsmakler, deren Einnahmen auf Provisionen basieren, haben Schwierigkeiten, die Kosten ihrer Dienstleistungen zu bestimmen. Aus diesen und anderen Gr¸nden werden oft zu viele Ressourcen f¸r ein Projekt verwendet. Das ist nicht ¸berraschend in einem Umfeld, in dem es keine Rechenschaftspflicht f¸r Kosten- und Zeitaufwand gibt. Die mangelnde Rechenschaftslegung f¸hrt auch zu dem ungleichm”þigen Einsatz von Ressourcen. Ich habe Situationen erlebt, in denen erst einmal die kompetentesten Mitarbeiter vorgeschickt und dann die unerfahrensten Kollegen f¸r die Schwerstarbeit eingesetzt wurden. Wie schon erw”hnt, sind die Mitglieder Ñdes Teamsì Fachleute in bestimmten Versicherungsbereichen: Sach-, Schadens-, Verbrechensdeckung, Haftpflichtversicherung f¸r F¸hrungskr”fte usw. Und damit sind wir bei dem zweitwichtigsten Grund f¸r die Gesch”ftsbeziehung mit einer Maklerfirma angelangt, und zwar bei dem Knowhow seiner Fachkr”fte. Ich spreche f¸r erfahrene Risiko- und Versicherungsmanager, die schon per Definition Generalisten sind, wenn ich sage, dass es eine wahre Wohltat ist, wenn wir Experten antreffen, die sich in ihrem Arbeitsbereich besser auskennen als wir. Ich beziehe mich dabei nicht auf die Kenntnis verf¸gbarer M”rkte sondern die Kenntnis der Deckung selbst, ihrer Nuancen und historischen Entwicklung. Solche Experten d¸rfen jedoch nicht durch ihre Spezialisierung eingeengt werden und m¸ssen in der Lage sein, sich kreativ mit neuen Ans”tzen und Kombinationen auseinander zu setzen. 1997 haben wir als erste Police ihrer Art eine Katastrophenschaden-Zusatzversicherung ¸ber 400 Millionen US-Dollar syndiziert, die die folgenden Risiken abdeckt: Verbrechen, Haftpflicht f¸r F¸hrungskr”fte, Betriebshaftpflicht, unbefugte Handlungen, darunter auch unerlaubter B–rsenhandel. Urspr¸nglich hatten wir vorgehabt, das bis dahin unversicherbare Risiko einer nicht durch physische Sch”den verursachten Betriebsunterbrechung miteinzubeziehen. Zu dem Zeitpunkt rechnete der Markt allerdings noch mit Y2K-Problemen, daher war unser Timing in diesem Bereich nicht besonders gut. Ich war trotzdem ¸berrascht, wie schwierig es war, Schadenversicherern und Maklern ein Sachversicherungskonzept vorzustellen. Ich bin immer noch der Meinung, dass eine Betriebsunterbrechung, die nicht durch physische Sch”den ausgel–st wird, versicherbar sein kann und sein sollte. Die Betriebsunterbrechungsdeckung entwickelte sich, als Unternehmen noch prim”r von den physischen Werken abh”ngig waren und Versicherer lernten, wie die Angemessenheit von Sprinkleranlagen und anderen Schutzmechanismen zu bewerten ist. Heute sind die meisten Unternehmen von ihrer Technologie abh”ngig, wobei die Systemst–rung das wichtigste Betriebsrisiko ausmacht. Dieses Risiko kann dann abgedeckt werden, wenn Versicherer lernen, wie die Angemessenheit von Betriebsweiterf¸hrungs- und Alternativpl”nen zu bewerten ist. Wenn die Alternativpl”ne solide sind, deckt der Versicherer lediglich die zus”tzlichen Kosten, die mit diesen Pl”nen verbunden sind, und keine schwerwiegenden Einkommensverluste. Was die Sachkenntnis der Makler betrifft, so ist es einerseits wichtig, dem Kunden zuzuh–ren und andererseits, den Kunden angemessen informieren und beraten zu k–nnen. Ich habe einmal mit einem ausgezeichneten Makler im Bereich der Management-Haftpflicht zusammengearbeitet. Ich erl”uterte ihm meine genauen Zielsetzungen und wie ich sie erreichen wollte, woraufhin er dann oft erwiderte: ìJa, wir k–nnen das so machen, aberÖî und er erkl”rte mir, mit welchen Schwierigkeiten und Problemen er rechnete und welche alternativen L–sungsans”tze in Frage k”men. Zusammen haben wir dann einen besseren Plan ausgearbeitet. In Idealfall erzielt die Zusammenarbeit zwischen Maklern, Risikomanagern und Versicherern einen Synergieeffekt, d.h. das gemeinschaftliche Arbeitsergebnis ist besser als das, was jeder f¸r sich alleine erreicht h”tte. Die drittwichtigste Voraussetzung bei einer Versicherungsagentur ist f¸r mich ein globales Netzwerk. Einengende internationale Versicherungsvorschriften und Gesch”ftspraktiken haben Versicherungsmakler zum groþen Teil daran gehindert, die globale Identit”t zu entwickeln, die bestimmte andere Finanzdienstleister schon l”ngst besitzen. Versicherungsmakler haben zwar eine internationale Pr”senz, m¸ssen jedoch erst noch eine globale Identit”t entwickeln, die auf einer nahtlosen weltweiten Lieferung von Produkten und Dienstleistungen basiert. Das Organisationsmodell der Versicherungsagentur hat die Ressourcen der Firma jahrelang in einen Inlands- und Auslandsbereich gespalten. Dementsprechend mussten globale Kunden f¸r die internationale Risikodeckung mit zwei verschiedenen Gesch”ftsbereichen Kontakt aufnehmen, mit der Inlands- und der Auslandsabteilung. Da Platzierungen im Ausland oft lokale Teilpolicen mit st”rker einschr”nkenden Bedingungen beinhalteten, wurden in den USA Policen mit Bedingungsdifferenzdeckungen (Difference in Conditions - DIC) abgeschlossen. Aus diesem Grund haben sich internationale Makler nie ernsthaft mit Auslandsrisiken auseinandergesetzt. Wenn ich das Thema des ausl”ndischen Risikomanagements zur Sprache brachte, erhielt ich normalerweise die unbefriedigende Antwort: ìMachen Sie sich keine Sorgen, das wird von der DIC abgedeckt.î Mit der Entwicklung globaler Programme, die oft von groþen europ”ischen Versicherungsgesellschaften vorangetrieben wurde, hat sich dieses Modell gewandelt. Die Voraussetzung der globalen Pr”senz bringt uns zur Eigenschaft Nummer vier, der F”higkeit, Versicherungsprogramme auf einer globalen Grundlage zu syndizieren. Die Tatsache, dass die Versicherungsbranche so fragmentiert ist, verleiht der Rolle des Maklers als Koordinator eine gr–þere Bedeutung. Laut A.M. Best gibt es in den USA ca. 2000 Sach- und Schadenversicherer, und lediglich 70 haben Versicherungsnehmer mit einem Eigenkapital von mehr als einer Milliarde Dollar. Von einigen Ausnahmen abgesehen, ¸bernimmt jeder Versicherer aufgrund seiner begrenzten Kapazit”ten nur einen relativ kleinen Teil des gesamten Versicherungsschutzes. An dem 400-Millionen-Dollar-Programm, von dem ich vorhin sprach, waren 30 Erstversicherer weltweit beteiligt. Auþerdem war eine umfassende R¸ckversicherung erforderlich. Trotz der Ÿnderungen der Finanzdienstleistungsvorschriften sind Sach- und Schadenversicherer nicht unbedingt gute Ðbernahmekandidaten f¸r andere Finanzdienstleister, dabei l”ge es nahe, wenn sich die Versicherer selbst zusammenschlieþen w¸rden, um die Kosten der Infrastruktur zu senken und Groþenvorteile zu erzielen. Laut einer Prognose von Price Waterhouse Coopers wird sich die Anzahl der Versicherungsgesellschaften insgesamt innerhalb der n”chsten f¸nf bis zehn Jahre um ganze 50% verringern. Falls solch eine massive Konsolidierung eintreten sollte, wird die F”higkeit des Maklers, markt¸bergreifende Verbindungen zu schaffen, an Bedeutung verlieren, da eine geringere Anzahl von Versicherungsgesellschaften mit gr–þeren Kapazit”ten in der Lage sein wird, Groþrisiken abzudecken. Dar¸ber hinaus werden sich f¸r gr–þere Versicherungsgesellschaften M–glichkeiten ergeben, den Syndizierungsbedarf mithilfe von umfassenderen R¸ckversicherungen durch Abkommen zus”tzlich zu verringern, was wiederum zu einer Reduzierung von Zwischenabschl¸ssen f¸hren k–nnte. Um zu unserer Aufz”hlung zur¸ckzukommen: Der Grund Nummer f¸nf ist Kommunikation. Der Vorschlag des Maklers wird nicht nach den Farben seiner Grafiken sondern nach seinem Inhalt beurteilt. Die Leute, f¸r die ich bis jetzt gearbeitet habe, wollen nicht ¸ber jeden einzelnen Aspekt des Versicherungswesens informiert werden. So ausf¸hrlich das Begleitmaterial eines Vorschlags oder Berichts auch sein mag, ich weiþ, dass ich den Sachverhalt so klar und einfach wie m–glich auf der ersten Seite darstellen muss. Die Schlussfolgerung sollte am Anfang und nicht am Ende stehen. Kurz gesagt, ich erwarte, dass die Kommunikation pr”zise und schl¸ssig ist. Umfangreiche Beilagen und Analysen k–nnen zu Informationszwecken beigef¸gt werden, aber ich will sie mir nicht durchlesen m¸ssen, um die Kernaussage zu verstehen. Die Nummer sechs der Voraussetzungen h”ngt eng mit der Kommunikation zusammen, und man k–nnte sie als Rechzeitigkeit oder Gef¸hl der Dringlichkeit bezeichnen. Ich arbeite seit 1972 im Versicherungsbereich und ich muss sagen, dass sich die Berufsauffassung der Branche seit dieser Zeit wesentlich verbessert hat. Aber das hat zum groþen Teil auch damit zu tun, dass Verbesserungen dringend notwendig waren. Da wir Jahres- und Mehrjahrespolicen abschlieþen und keine Echtzeit- Online-Gesch”fte, ist das Gef¸hl der Dringlichkeit in unserer Branche nicht so stark ausgepr”gt wie es bei dem heutigen Tempo des globalen Handels erforderlich w”re. Diese Situation wird durch die versp”tete Einf¸hrung neuer Technologien in der Versicherungsbranche noch zus”tzlich verschlimmert. Im Gegensatz zu anderen globalen Finanzdienstleistungsbereichen, die Milliarden in die Pflege und st”ndige Verbesserung ihrer Infrastruktur investieren m¸ssen, ist die Technologie in der Versicherungsbranche nicht der Hauptantriebsfaktor. Die siebte Eigenschaft, die ein Makler besitzen muss, besteht in der F”higkeit, Verhandlungen beeinflussen zu k–nnen. Durch die Branchenkonsolidierung wurde eine noch nie dagewesene Gr–þenordnung erzielt, die dem Makler eine enorme Einflussnahme auf die Aushandlung von Versicherungsdeckungen und Schadenregulierung erlaubt. Die Broker m–chten sich zwar von dem Gesch”ft selbst distanzieren, aber ihre F”higkeit, das Gesch”ft zu beeinflussen, war noch nie besser. Neue Konkurrenten auf dem Markt, wie z.B. Unternehmensberater, genieþen diesen Vorteil nicht. Das ist ein wichtiger Punkt. Einige meiner Kollegen beklagten den mit der Konsolidierung der globalen Maklerbranche einhergehenden reduzierten Wettbewerb, da nun lediglich drei f¸hrende Firmen miteinander konkurrieren. Ich sehe die Entwicklung v–llig anders. Meiner Meinung nach war die Konsolidierung notwendig. Auf diese Weise haben die Makler eine Gr–þenordnung erreicht, die es ihnen erlaubt, mit neuen Marktteilnehmern zu konkurrieren, wie z. B. Unternehmensberater, die umfassende Beratungsleistungen im Bereich des Risikomanagements anbieten und groþe globale Versicherungs- und R¸ckversicherungsgesellschaften, die die Rolle des Maklers als Vermittler eliminieren w¸rden. W”hrend die Agenturen hervorheben, dass sie sich ¸ber das Gesch”ft hinaus weiterentwickeln und in der Lage sein m¸ssen, umfassendere Beratungsleistungen im Bereich des unternehmensweiten Risikomanagements anzubieten, so sollten sie nicht aus den Augen verlieren, dass ihre wahre St”rke im Gesch”ftsmanagement liegt: in der Entwicklung, dem Angebot und dem Einsatz von Mechanismen zur Finanzierung von Risiken und Aushandlung von Anspr¸chen. Makler sprechen oft von umfassenden Beratungsleistungen. In der Regel sind sie jedoch weder entsprechend ausger¸stet noch zeigen sie ein besonderes Interesse an dieser Aufgabe. In der Realit”t sieht es oft so aus, dass mir Makler raten, mich an einen Experten zu wenden, wenn ich mich ¸ber die bilanzrechtlichen und steuerlichen Auswirkungen eines bestimmten von ihnen vorgeschlagenen Deckungsprogramms erkundige. Die Lockerung bestimmter gesetzlicher Einschr”nkungen der Finanzdienstleister f¸hrte zu Diskussionen ¸ber potentielle Konsolidierungen zwischen Banken, Wertpapierfirmen und Versicherungsgesellschaften. Ich bin der Meinung, dass strategische B¸ndnisse zwischen Versicherungsmaklern, Unternehmensberatern und Internetfirmen eine interessante M–glichkeit er–ffnen. Unternehmensberater verf¸gen ¸ber weitreichendere Erfahrungen auf dem Gebiet des allgemeinen Betriebsrisikos, sind jedoch nicht in der Lage, Risiken zu finanzieren oder den Gesch”ftsabschluss zu beeinflussen. Ein Internet-Partner k–nnte dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen, wenn es um die Infrastruktur seiner Produktlieferung geht. Was zun”chst als Bedrohung empfunden wird, kann somit als Vorteil genutzt werden. In dem Maþe, in dem sich irgendein Aspekt des Gesch”ftes zu einem Standardprodukt entwickelt, kann E-Commerce die Vermittlungsfunktion ¸bernehmen. Ein anderer Vorteil f¸r den Makler, der mit einem Unternehmensberater zusammenarbeitet, ist das h–here Niveau der Verbindung zu dem Kunden. Die Ebene verschiebt sich vom mittleren zum h–heren Management, da das h–here Management normalerweise die Entscheidungen bez¸glich der Hinzuziehung von Unternehmensberatern trifft. Das B¸ndnis zwischen Versicherungsmaklern und Unternehmensberatern k–nnte auch zu einer Leistungsverbesserung in Bezug auf den Preis der Dienstleistung f¸hren. Und damit sind wir auch schon bei Grund Nummer acht angelangt. Wie ich vorhin kurz erw”hnte, haben Makler auþerordentliche Schwierigkeiten bei der Festsetzung einer angemessenen Verg¸tung. Wie Sie wissen, wurde die Verg¸tung von Versicherungsmaklern in der Vergangenheit auf der Grundlage von Provisionen abgewickelt. Vor einigen Jahren lagen diese Prozents”tze in verschiedenen Sparten oft zwischen 15 und 20%. Die Berechnungsbasis bildeten zu dem Zeitpunkt jedoch relativ niedrige Pr”mien. Im Laufe der Jahre erh–hten sich die Pr”mien, und die Risikomanager verlangten ein Verg¸tungsschema, das sich nach der erbrachten Leistung richtete. Zuerst setzte sich dies bei nordamerikanischen Platzierungen und letztendlich auch auf weltweiter Ebene durch. Diese Geb¸hren wurden oft nach einem wesentlich geringeren Prozentsatz der Nettopr”mie berechnet. Die Versicherungsbranche ist im Allgemeinen nicht f¸r ihre Kultur der Rechenschaftslegung bekannt. Im Gegensatz zu Rechtsanw”lten oder Unternehmensberatern haben die Makler ihren Zeitaufwand in der Vergangenheit nicht bestimmten Kundenkonten zugerechnet. Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass sich manche T”tigkeiten eines Maklers oft auf eine ganze Gesch”ftssparte beziehen, die mehr als einen Kunden betreffen kann. Einige Agenturen, die dazu aufgefordert wurden, auf eine Geb¸hrenordnung ¸berzugehen, behaupteten, dass sie ¸ber geeignete Methoden zur genauen Festsetzung dieser Geb¸hren verf¸gten, die sich wiederum nach den geleisteten Arbeitsstunden verschiedener Mitarbeiter berechneten. Diese Methoden bewiesen dabei nat¸rlich stets, dass das Verg¸tungsniveau angemessen war und vielleicht sogar noch erh–ht werden sollte. Makler ¸berlieþen die Verg¸tungsentscheidung in der Regel den Risikomanagern. Wir legen daher fest, wie viel die Dienstleistungen des Maklers unserer Ansicht nach wert sind und verhandeln auf dieser Basis. Ich habe dies bei einer anderen Maklerveranstaltung erw”hnt und ein erfahrener Makler fragte mich: ìAber wie sollen wir f¸r unseren Forschungs- und Entwicklungsaufwand entsch”digt werden?î Daraufhin erkundigte ich mich nach dem F&E Budget. Nat¸rlich gab es keins. Selbstverst”ndlich bestehen solche Kosten, aber die Rechenschaftslegung fehlt auch in diesem Fall. Die Branche hat es bis jetzt vers”umt, Vertr”ge ¸ber die Qualit”t ihrer Serviceleistungen auszuhandeln, die klare Leistungsanreize und Buþen beinhalten. Ich hoffe, dass die Qualit”tsinitiativen wie z.B. Sechs Sigma, die derzeit von bestimmten Firmen eingesetzt werden, zu einer solchen Definierung mit genau festgelegten Leistungskriterien f¸hren wird. Die Nummer neun auf unserer Liste ist die Voraussetzung, dass der Makler eine gewisse Kenntnis des Gesch”ftsbereichs meiner Firma besitzt. Ich habe es in den letzten Jahren wesentlich einfacher gefunden, mich ¸ber neue Produktkonzepte mit Personen, insbesondere R¸ckversicherern, zu unterhalten, die vorher bei Unternehmensberatern oder Banken angestellt waren. Das ist bei Maklern nicht in demselben Maþe der Fall, und ich beziehe mich dabei nicht auf Investment-Banker, die eingestellt worden sind, um dem Phantom der wertpapierm”þigen Unterlegung nachzujagen. Was ist unsere letzte Kategorie? Was kommt zuletzt? Was kommt immer zuletzt? Der Versicherungsanspruch. Der wahre Grund f¸r die Existenz der Versicherung, an dem Makler und Versicherungsgesellschaften jedoch normalerweise nichts verdienen. Gibt es Schadenregulierer im Publikum? Nein? Das habe ich mir gedachtÖIch bin mir sicher, dass es eine spezielle Veranstaltung f¸r ausgezeichnete Schadenregulierer geben wirdÖSie wird jedoch wahrscheinlich in einem kleineren Rahmen stattfinden...Bei Eintritt eines schwerwiegenden Schadensfalls nimmt die Unternehmensleitung des Versicherten zum ersten Mal von der Versicherung Notiz und sch”tzt ihren Wert ein. Kein Versicherungsfall erregt mehr Aufmerksamkeit innerhalb der Unternehmensleitung als eine Klage gegen einzelne Gesch”ftsf¸hrer und Vorstandsmitglieder (D&O). Der Versicherer, dem ein solcher Fall gemeldet wird, ist der Sache meiner Erfahrung nach nicht immer unbedingt gewachsen. Zum Gl¸ck gibt es mittlerweile erfahrene Underwriter bei f¸hrenden Versicherungsfirmen, die erkannt haben, dass sich die Methoden der Schadenregulierung, die ich hier beschreiben werde, ”ndern m¸ssen. Sobald ein D&O Versicherungsanspruch vorgebracht wird, ist der Versicherte nicht mehr der Kunde des Versicherers. Von jetzt an muss er sich mit den Anw”lten des Versicherungsunternehmens auseinander setzen. Der Klient der Anwaltskanzlei ist nat¸rlich der Versicherer und nicht der Versicherte. Wenn der Versicherte dem Versicherer heute einen D&O Fall meldet, muss er damit rechnen, dass ihm von den Anw”lten der Versicherungsgesellschaft ein Formbrief zugesendet wird, der mehrere Vorbehaltsklauseln enth”lt und lang und breit erkl”rt, warum der Anspruch ablehnt wird, und welche Pr”zedenzf”lle bei dieser Entscheidung hinzugezogen wurden. Aber unser Thema ist die Rolle des Maklers. Sie erinnern sich doch an den Makler: Die Person, die zusammen mit Ñdem Teamì die Gesch”ftsbedingungen des Vertrages im Namen des Versicherten ausgehandelt hat. Sobald der Vorbehaltsbrief eingegangen ist, r”t der Makler dem Versicherten, einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen. Das ist nat¸rlich letztendlich ein notwendiger Schritt, aber ich wundere mich immer dar¸ber, wie schnell sich der Makler von dem D&O Fall distanziert. Dies wurde vor kurzem bei der Handhabung von Y2K-Anspr¸chen besonders deutlich, und meiner Meinung nach w”re eine umfassendere Beratung in diesem Bereich vonn–ten gewesen, besonders im Hinblick auf m–gliche Auswirkungen auf den Haftpflichtschutz von Gesch”ftsf¸hrern und Vorstandsmitgliedern. Zu den derzeitigen und zuk¸nftigen Herausforderungen geh–rt die Notwendigkeit, sich mit Betriebsrisiken auseinander zu setzen. Das Betriebsrisiko stellt eines der drei Aspekte des Unternehmensrisikos dar, welches sich per Definition aus Markt-, Kredit- und Betriebsrisiko zusammensetzt. Ich bin der Meinung, dass die Ressourcen und Instrumente zur Abdeckung des Markt- und Kreditrisikos schon lange zur Verf¸gung stehen. Wir haben allerdings erst angefangen, uns mit dem Betriebsrisiko zu besch”ftigen, d.h. mit all den Risiken, die zus”tzlich zu den Kernrisiken eines Unternehmens bestehen. Solche Risiken k–nnen sich auf Personal, Technologie, Sachanlageg¸ter, Kundenbeziehungen und externe Faktoren beziehen. Dazu z”hlen insbesondere Grundsatzverletzungen, Systemunterbrechungen, schlechte Datenqualit”t, M”ngel, Programmfehler, die Unf”higkeit auf bestimmte Sachanlagen zuzugreifen oder sie zu verwenden, nichtdurchsetzbare Gesch”fte usw. Bei der Entwicklung von Maþnahmen zur Handhabung von Betriebsrisiken habe ich eng mit Experten zusammengearbeitet, die ¸ber umfangreiche Erfahrungen im Bereich des Kredit- und Marktrisikos verf¸gen. Sie steuern ihre Kenntnisse auf dem Gebiet der Risikoeinsch”tzung und -modellbildung bei, w”hrend ich meine Erfahrungen im Bereich des Managements und der Versicherung von Betriebsrisiken beisteuere. Diese verschiedenen F”higkeiten erg”nzen sich ganz hervorragend. Markt- und Kreditanalysten nehmen z. B. automatisch an, dass f¸r eine Ausarbeitung von m–glichen Versicherungsl–sungen umfassende versicherungsmathematische Analysen und Modelle notwendig sind. Obwohl diese Instrumente bei der Schaden- und Sachversicherung verwendet werden, k–nnen der Makler und der Risikomanager eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, den Kredit- und Marktrisiko-Experten klarzumachen, wie flexibel und vielleicht sogar unwissenschaftlich Versicherungsl–sungen manchmal sein k–nnen. Seit Hurricane Andrew und dem Northridge-Erdbeben verwenden Sachversicherer die Modellbildung immer h”ufiger zur Einsch”tzung des Risikoausmaþes in bestimmten geographischen Gebieten. Um eine Ðberkonzentration des Risikos zu vermeiden, haben Versicherer beispielsweise den Versicherungsschutz in bestimmten Gebieten entweder ganz eingestellt oder erheblich verringert, z.B. im Falle von St¸rmen an der K¸ste von Florida. Der tats”chliche Preis des abgeschlossenen Versicherungsschutzes h”ngt jedoch nach wie vor von Wettbewerbs- und Marktanteilsfaktoren ab und nicht unbedingt von dem Wunsch, den versicherungstechnischen Ertrag zu erh–hen. Ich werde dies anhand von zwei Beispielen erl”utern, die sich ¸ber einen Zeitraum von 25 Jahren erstrecken. Als ich 1972 anfing, im Bereich der Verbrechensversicherung zu arbeiten, gab es schon eine computerbasierte Pr”mientariffierung. Bei der Berechnung f¸r eine Bankenkautionsversicherung war es notwendig, die Anzahl der Mitarbeiter, die Anzahl der Zweigstellen, das Kredit-Einlagen-Verh”ltnis, die Schadenmodifizierung und mehrere andere Tariffierungsfaktoren einzugeben. Der Computer lieferte dann 100% des Satzes, der im Handbuch festgelegt war. Die tats”chlich veranschlagte Pr”mie machte jedoch zwischen 20% und 500% dieses Betrags aus, je nachdem in welchem Bereich sich der Kostenvoranschlag der Konkurrenz bewegte. Etwas unbedarft fragte ich, warum diese Berechnungen notwendig seien, wenn sich der Pr”miensatz im Endeffekt doch nach Marktfaktoren richte. Die Antwort lautete, dass sich die Regierung wesentlich wohler f¸hlen w¸rde, wenn sie w¸sste, dass unsere Pr”miens”tze versicherungsmathematisch ermittelt worden seien. F¸nfundzwanzig Jahre sp”ter syndizierten wir das vorhin erw”hnte 400-Millionen-Dollar-Programm. Meine Kollegen in der Markt- und Kreditrisikoabteilung erkundigten sich, welche Modelle entwickelt worden seien, um die Pr”mie versicherungsmathematisch zu ermitteln. Sie waren ¸berrascht, als ich ihnen erz”hlte, dass ich mich noch vor einer Hinzuziehung von Versicherungsfirmen mit dem Makler, der die Vertragsbedingungen ausarbeitete, zusammengesetzt und eine Entscheidung ¸ber den Pr”miensatz getroffen hatte, den wir pro Million zu zahlen bereit waren. Diese Entscheidung beruhte haupts”chlich auf meiner Einsch”tzung dessen, was die Gesch”ftsf¸hrung meiner Firma auf einer Nutzen-Kosten-Basis als sinnvoll betrachten w¸rde und dem was der Markt unseres Erachtens nach aushalten konnte. Wir haben dann auf der Grundlage dieses Pr”miensatzes Beteiligungsangebote eingeholt und potentielle Anbieter dabei mit ausf¸hrlichen versicherungstechnischen Informationen versorgt. Obwohl wir uns urspr¸nglich einen Versicherungsschutz von 500 Millionen Dollar zum Ziel gesetzt hatten, fanden wir heraus, dass der von uns angestrebte Preis lediglich eine Summe von 400 Millionen Dollar abdeckte. Der Markt reagierte bei einer h–heren Deckungssumme mit h–heren Pr”miens”tzen. Ich muss darauf hinweisen, dass die von uns kontaktierten Versicherer in der Regel Firmen waren, mit denen uns eine langj”hrige Beziehung verband und die in einigen F”llen jahrzehntelang von der Beteiligung an unseren Versicherungsprogramme profitierten. Bei Platzierungen wie dieser, bei denen es um die Haftpflicht von Gesch”ftsleitern geht, kommt es zum groþen Teil darauf an, inwieweit der Versicherer der Gesch”ftsf¸hrung des versicherten Unternehmens vertraut. Dieser Faktor kann von keiner versicherungsmathematischen Analyse ermittelt werden. Bei der Handhabung von Betriebsrisiken ist sowohl die Wissenschaft der Modellbildung als auch die Kunst der Ausnutzung von Marktfaktoren von ausschlaggebender Bedeutung. Auch andere externe Faktoren beeinflussen derzeit die Versicherungsbranche und liefern einen zus”tzlichen Antriebsfaktor f¸r die Schaffung einer umfassenden Betriebsrisikodeckung. Regulierungsbeh–rden haben in Aussicht gestellt, dass sie es einem Unternehmen m–glicherweise zur Auflage machen werden, eine bestimmte Summe als Risikodeckungskapital zur¸ckzustellen. Progressiv denkende Versicherer ziehen daher die Entwicklung eines Versicherungsprogramms in Erw”gung, das ganz oder teilweise als kosteng¸nstiger Ersatz f¸r solch eine Kapitalzuweisung dienen k–nnte. Wir befinden uns immer noch in einem Vorstadium dieser Entwicklung, in dem verschiedene Variablen n”her definiert werden m¸ssen: Die Summe, die als Risikodeckungskapital zur¸ckzustellen ist. Das Ausmaþ, in dem Versicherungen als akzeptable Alternative zur Kapitalzuweisung dienen k–nnen. Die Angemessenheit der Kapazit”ten, die der Versicherungsmarkt besitzt, um diese M–glichkeit wahrzunehmen. In dieser dynamischen Zeit haben Risikomanager, Makler, und Versicherer die einmalige Gelegenheit, den Wert ihres Beitrags durch eine Erweiterung des Versicherungsumfangs erheblich zu verbessern. Wenn Risiken dieser Art bei Groþunternehmen auf sinnvolle Weise abgedeckt werden sollen, muss die finanzielle Kapazit”t der Branche enorm erweitert werden. Die heutige Finanzierung dient selbst bei den sogenannten Katastrophenprogrammen lediglich dazu, die Auswirkung des Schadens auf die Gewinn- und Verlustrechnung zu mindern. Wenn die Haftungssumme lebensbedrohliche Ereignisse bei Groþkonzernen abdecken soll, muss ihr Limit eine Milliarde ¸bersteigen k–nnen. Die Notwendigkeit einer radikalen Erweiterung der Kapazit”t des Marktes bietet vielleicht letztendlich eine gute Gelegenheit f¸r eine sinnvolle wertpapierm”þige Unterlegung. In einem Umfeld, das von stetigen technologischen Neuerungen gepr”gt ist, sind Risikomanager bei der Bew”ltigung dieser Aufgaben auf Experten wie sie angewiesen: Ihre Kenntnis Ihres Unternehmens und Ihren Zugang zu dessen Ressourcen, Ihr globales Netzwerk und Ihre Koordinierungsf”higkeit, Ihre pr”zise und zeitgerechte Kommunikation, Ihre Einflussnahme auf die Aushandlung von Versicherungsdeckungen und Schadenregulierung und Ihre Kenntnis unserer Anforderungen. Aus Zeitgr¸nden kann ich leider nicht all das zur Sprache bringen, was ich Ihnen schon immer mal sagen wollte. Aber wenn Sie die Website von IFRIMA besuchen und sich den Abschnitt ìArticles & Papersî anschauen, k–nnen wir unsere Diskussion beim n”chsten Mal fortf¸hren. Angesichts der Umstrukturierung Ihrer Organisation m–chte ich abschlieþend noch einige ermutigende Worte an Sie richten. Als jemand der die verschiedensten Reorganisationsmaþnahmen durchlaufen hat ñ von Zero-Based-Budgeting, Control-Self-Assessment, McKinsey-Studien, Prozesskostenrechnung und Aufgabensynthese bis zu Lieferantenmanagement, Sechs-Sigma-Analysen und Internetialisierung ñ kann ich nur sagen, dass Sie durch die Erfahrungen, die Sie bei dieser Umstrukturierung machen werden, auf die n”chste umso besser vorbereitet sind. Ich danke Ihnen und w¸nsche Ihnen auch im n”chsten Jahr viel Erfolg.
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