RISK AND INSURANCE MANAGEMENT SOCIETY
ORIMS JŸHRLICHER DOUGLAS BARLOW BERUFSFORTBILDUNGSTAG
DIE SECHS-SIGMA-METHODE ZUR OBJEKTIVEN LEISTUNGSBEURTEILUNG
Marriott Hotel William J. Kelly Toronto, Ontario Managing Director Kanada J.P. Morgan
16. Februar 2000 Chairman International Federation of Risk and Insurance Management
Associations (www.rims.org/ifrima)
WILLIAM J. KELLY
William J. Kelly ist Managing Direktor bei J.P. Morgan, dem f¸hrenden globalen
Finanzdienstleister mit Hauptsitz in New York City. In dieser Funktion ist er unter anderem mit
der Leitung des Risiko- und Versicherungsmanagements sowie verschiedener anderer
Ressourcenbereiche betraut. Vor seinem Eintritt bei J.P. Morgan vor vierzehn Jahren war er
Direktor der Abteilung Risiko- und Versicherungsmanagement bei Merrill Lynch.
William Kelly ist der amtierende Chairman der International Federation of Risk and Insurance
Management Associations* (IFRIMA), der globalen Dachorganisation von 30 nationalen und
regionalen Interessenverb”nden in weltweit mehr als 20 L”ndern. Zugleich ist er
Vorstandsmitglied des Global Risk Management Institute. Von 1995 bis 1996 fungierte er als
Pr”sident der Risk and Insurance Management Society (RIMS), der weltweit gr–þten Organisation
ihrer Art (4.500 Gruppen in den USA und Kanada sind mit insgesamt 8.000 Mitarbeitern im
Mitgliedsraster vertreten). Dar¸ber hinaus geh–rt Herr Kelly dem Risk Management Advisory
Council der Allianz Insurance Company und dem National Accounts Advisory Board of AIG an. Er
steht als Direktor der Spencer Educational Foundation vor und saþ im Risk Management Executive
Council der Protection Mutual Insurance Company. Herr Kelly ist ehemaliger Chairman des
Insurance Committee der American Bankers Association (ABA) und diente als Chairman der ABA
National Security and Risk Management Conference 1993 sowie als Co-Chairman des Monte Carlo
Risk Management Forum 1995. 1995 wurde er vom New Yorker Verband der CPCU mit dem Matthew Lenz
Risk Management Award ausgezeichnet. Herr Kelly h”lt auf internationalen Tagungen h”ufig
Vortr”ge zu Fragen des Risiko- und Versicherungsmanagements und hat zahlreiche Artikel zu
diesem Thema ver–ffentlicht.
Seine Karriere in der Versicherungsbranche begann Kelly 1972 als INA-Agent. Danach f¸hrte ihn
sein Berufsweg zur Chase Manhattan Bank, wo er eine leitende Funktion der
Risikomanagement-Abteilung innehatte, und dann zur Bankers Trust Company, wo er mit der
Position des Vize-Pr”sidenten betraut wurde.
Herr Kelly hat einen Bachelor of Arts in englischer Literatur von der Fordham University in New
York City und ein Masters Degree in Betriebswirtschaft von der Fordham Graduate School of
Business at Lincoln Center.
* www.rims.org/ifrima
Guten Morgen
Zun”chst m–chte ich dem Planungskomitee daf¸r danken, mir die Gelegenheit zu geben, Toronto im
Februar besuchen zu k–nnen. Mit groþer Freude vernahm ich, dass die Konferenzplaner sich zur
Ehrung des verstorbenen Douglas Barlow, dem RIMS-Pr”sidenten von 1971-72, entschieden hatten.
Ich hatte das Gl¸ck, Doug w”hrend meines Jahres als Pr”sident n”her kennenlernen zu k–nnen.
Damals ging Doug bereits auf die 90 zu. Er geh–rte nicht nur zu den gebildetsten, sondern auch
zu den wissbegierigsten Menschen, die mir je begegnet sind. Ich glaube, er war eine so
interessante Pers–nlichkeit, weil er sich intensiv f¸r so viele unterschiedliche Dinge
interessierte. Nie werde ich unsere erste Unterhaltung vergessen. Er erz”hlte mir von
Problemen, mit denen er sich bei der Ðbersetzung eines im Franz–sisch des siebzehnten
Jahrhunderts abgefassten Dokuments auseinandersetzte, sprach ¸ber die Unterschiede zwischen
klassischem und Kirchenlatein, einem Thema, zu dem er mit dem Vatikan korrespondierte, sowie
¸ber die Vorz¸ge des Single Malt Scotch Whiskey, als einzig wahrhaft zuverl”ssigem Getr”nk. Ich
erinnere mich noch an das Jahr, als ein Zukunftsforscher auf der RIMS-Konferenz sprach; vorne,
in der ersten Reihe, ¸ber seinen Stock gebeugt saþ Doug und h–rte fasziniert und vollkommen
konzentriert zu. Es scheint mir besonders angemessen, einen Vortrag ¸ber Qualit”t mit
Erinnerungen an Douglas Barlow zu beginnen. Die Tatsache, dass wir heute hier zusammenkommen,
um das Thema Qualit”t zu besprechen, ist das Resultat der Leistungen vieler engagierter M”nner
und Frauen. Sie haben uns an einen Punkt gebracht, an dem eine sinnvolle Diskussion beginnen
kann und verdienen daf¸r unsere Anerkennung. Ich meine damit vor allem die Bem¸hungen des
Kongresses zur Qualit”tsverbesserung im Versicherungswesen (QUALITY INSURANCE CONGRESS ) und
seiner F¸hrungskr”fte.
Die vom Kongress zur Qualit”tsverbesserung im Versicherungswesen (QIC, QUALITY INSURANCE
CONGRESS) mit RIMS durchgef¸hrte Untersuchung erf¸llte einen ”uþerst wichtigen Zweck. Sie
machte den Umfang der Unzufriedenheit der Risikomanager mit dem Service der Versicherer und
Makler deutlich. Nun, da wir diese Unzufriedenheit kennen, liegt es bei uns, unsere Leistungen
in Sachen Qualit”t auf ein h–heres Niveau bringen und tats”chlich Ver”nderungen zu bewirken.
Wir anerkennen sehr wohl die Bedeutung der Untersuchung, wollen aber auch ihre Grenzen als ein
Katalysator f¸r Ver”nderungen betrachten. Trotz der vielen Fragen der Untersuchung und der
detaillierten Pr”sentation der Ergebnisse zeigt die Untersuchung f¸r mich nur eines: das
allgemeine Niveau der Unzufriedenheit. Ob ein Versicherer oder Makler eine Gesamtbewertung von
62 oder 71 hat, ist irrelevant. In Schulnoten ausgedr¸ckt w”re das ein C (Befriedigend) oder D
(Ausreichend) und, wie Ihnen meine drei T–chter versichern k–nnen, stellt das keine akzeptable
Leistung dar. Wir m¸ssen dabei jedoch im Auge behalten, dass die Leistung der Makler und
Versicherer unmittelbar die Standards widerspiegelt, die wir, die Kunden, setzen.
Bevor wir uns mit den Versicherern und Maklern befassen, meine ich, dass wir in aller Fairness
zugeben sollten, dass in keinem Segment des Risiko- und Versicherungsmanagements ein Mangel an
Mittelm”þigkeit herrscht. Ich glaube, dass es klug von unsRisikomanagern war die Versicherer
und Makler zu bewerten, bevor diese die Gelegenheit ergriffen, uns zu bewerten.
Wir wollen einmal die Art der Fragen betrachten, die in der Untersuchung zur Qualit”t der
Risikomanager auftauchen k–nnten:
Bewerten Sie den Risikomanager hinsichtlich der folgenden Kriterien mit einer Note zwischen 1
und 5, wobei 5 die beste Bewertung darstellt:
Gr¸ndliche Kenntnis aller Aspekte der Organisation auf globaler Ebene
St”ndiger Kontakt und Informationsaustausch mit der Unternehmensleitung
Solide Grundkenntnisse in den Bereichen Finanzanalyse und statistische Analyse
Eingehende Kenntnis der aktuellen technologischen Entwicklungen hinsichtlich der Auswirkungen
auf das Risikoprofil der Firma und deren Branche
Klare Definition und Kommunikation der Erwartungen an Makler und Versicherer
Ich habe den Verdacht, dass unsere Noten denen des Rests der Branche sehr ”hnlich sein w¸rden.
Die Ergebnisse der Untersuchung weisen zwar auf eine allgemeine Unzufriedenheit hin, bieten
jedoch f¸r Makler oder Versicherer keinerlei Anhaltspunkte, wie eine Strategie zur
Qualit”tsverbesserung und Messung dieser Verbesserung formuliert werden kann.
Der Begriff ìQualit”tî wird nicht definiert und bleibt dem subjektiven Verst”ndnis der
einzelnen an der Untersuchung teilnehmenden Risikomanager ¸berlassen.
In den Fragen der Untersuchung finden sich viele nicht klar definierte Ausdrucksweisen. Denn
was genau verstehen wir unter Ñrechtzeitigì, Ñeffektivì, Ñvon Bedeutungì, Ñinnovativì? Da diese
Ausdr¸cke vage sind, fragen sie nach dem pers–nlichen ÑEindruckì, den ein Risikomanager von
einer bestimmten Organisation hat. Wie soll man sonst erkl”ren, dass eine der innovativsten und
effizientesten Firmen der Branche in eben diesen Kategorien eine mangelhafte Bewertung erhielt?
Da wir nun die allgemeine Unzufriedenheit, zu deren Verdeutlichung die Untersuchung diente,
kennen, m¸ssen wir die Diskussion ¸ber subjektive pers–nliche Eindr¸cke hinaus auf die Ebene
objektiver messbarer Leistungen verlagern. Man kann nat¸rlich Fragen so stellen: ÑHaben Sie den
Eindruck, dass diese Firma innovativ ist?ì Eine bessere Art der Fragestellung k–nnte jedoch so
lauten: ÑWie viele neue Policen-Formulare oder Deckungstypen hat diese Firma in den vergangenen
36 Monaten auf den Markt gebracht?ì Wir k–nnen uns dar¸ber unterhalten, ob wir Ñden Eindruck
habenì, dass ein bestimmter Versicherer effizient ist, oder aber wir k–nnen uns dessen
Kostenquote ansehen.
Wenn wir nicht definieren und quantifizieren, k–nnen wir niemals objektiv messen. Ohne
objektives Maþ werden wir niemals zu dem Punkt gelangen, an dem wir ñ um uns der Ausdrucksweise
der Untersuchung zu bedienen ñ Ñden Eindruck habenì, dass unsere ÑBed¸rfnisseì erf¸llt werden.
Bei der F¸hrung von Menschen habe ich stets die Erfahrung gemacht, dass man eine Leistung am
ehesten dann erh”lt, wenn man sagt, welche Leistung man erwartet.
Eine Methode zur Ablaufverbesserung f¸r eine bessere Kundenbetreuung wird als Sechs Sigma
bezeichnet. Die Tatsache, dass der Name der Methode selbst eine Maþeinheit darstellt, ist ein
Zeichen ihrer kompromisslos quantitativen Beschaffenheit. Sechs Sigma ist einfach eine relativ
hohe Qualit”tskennzahl.
Sechs Sigma bedeutet, dass pro eine Million Ereignisse ñ ein Ereignis kann alles von einem
Produkt bis zu einer Pr”mienberechnung sein ñ nicht mehr als 3,4 Fehler oder M”ngel auftreten
werden. Wie bei der Richterskala sind alle einzelnen Sigma-Niveaus exponentiell verschieden.
Wenn wir Sechs Sigma auf die Herstellung von Kugelschreibern anwenden, mag es ein sehr hoher
Qualit”tsstandard sein. Wenn wir dagegen Komponenten f¸r Jet-Motoren herstellen oder in unserem
Fall auf den Finanzm”rkten mit Dollarbetr”gen in Milliardenh–he handeln, ist der Standard
m–glicherweise nicht hoch genug.
Die Sechs-Sigma-Methode zur Ablaufanalyse ist in unterschiedlichem Umfang von einer ganzen
Reihe von Unternehmen ¸bernommen worden: darunter Motorola, General Electric, Allied Signal,
Texas Instruments und meiner eigenen Firma. In der Praxis umfasst die Methode sechs separate
Phasen, die man mit dem Akronym DMAVIK zusammenfassen kann: Definieren, Messen, Analysieren,
Verbessern, Implementieren und Kontrollieren (DMAIIC, Define, Measure, Analyze, Improve,
Implement and Control).
Sechs Sigma ist keine Hexerei. Es ist die detaillierte Analyse eines Ablaufs von Anfang bis
Ende mit Hilfe umfassender Ablaufmessung und -darstellung. Betrachten Sie den Ablauf des
Erwerbs einer Versicherungspolice vom Zeitpunkt der Auswahl des Maklers bis zur Zahlung der
Pr”mie. Wie viele Phasen, Arbeitsschritte und Personen sind daran beteiligt? Die Zahlung der
Pr”mie an sich ist ein wichtiger Prozess, der voller systembedingter ineffizienter Abl”ufe
steckt, auf die wir noch zu sprechen kommen werden. Dar¸ber hinaus kommt es bei so vielen
bestehenden Sach- und Schadensversicherungsgesellschaften zu einer weitgehenden Verdoppelung
von Ressourcen innerhalb der Versicherer und Makler selbst sowie zwischen Versicherern und
Maklern und vom Standpunkt der Technologienutzung ist die Versicherungsbranche als das
ÑNeandertal der Finanzdienstleisterì bezeichnet worden. Aber ich schweife ab.
Der wichtigste Punkt ist die Unerl”sslichkeit von Messung und Quantifizierung der Leistung.
Sechs Sigma ist nur eine von mehreren Methoden. Eine fortschrittliche Versicherungsgesellschaft
braucht Sechs Sigma nicht, um erfolgreich die Messlatte an ihren Schadensbearbeitungsdienst
anzulegen.
Der wesentliche Gedanke, den ich vermitteln m–chte, ist der folgende: Die starke Betonung der
Qualit”t zielt auf die Erf¸llung dessen ab, was f¸r den Kunden nach dessen eigener Definition
am wichtigsten ist. Als Kunden der Makler- und Versicherungsbranche liegt unsere Aufgabe in der
Definition der akzeptablen Leistungsstandards, und zwar so, dass die einzelnen Firmen
strategisch planen, Verbesserungen messen und objektiv bewerten k–nnen.
Dazu m¸ssen wir ¸ber den subjektiven Vergleich von Versicherern und Maklern hinausgehen und uns
ansehen, wie Firmen in anderen Branchen, egal ob im Dienstleistungsbereich oder der Fertigung,
ihre Produkte liefern und die Qualit”t ihrer Abl”ufe bewerten.
Bevor wir kurz auf die wichtigsten Vorz¸ge der Sechs-Sigma-Methode eingehen, m–chte ich
zun”chst betonen, dass ich kein Fachmann auf diesem Gebiet bin. Ich finde, dass ein biþchen
Vertrautheit mit der Methodologie der Qualit”tsverbesserung jemanden aus der
Versicherungsbranche verleiten kann, sich wie der Ein”ugige im Land der Blinden zu f¸hlen. In
Wirklichkeit bin ich aber eher wie ein Lehrer, der der Klasse lediglich um ein Kapitel voraus
ist. Wenn dieser Vormittag vorbei ist, werden Sie genauso viel wie ich zu diesem Thema wissen
und werden es, so hoffe ich, weitergeben.
Wenn Sie diese Methode gr¸ndlich kennenlernen wollen, so dass sie in Ihrer Organisation
angewandt werden kann, wird es n–tig sein, die Dienste von einem der vielen und wachsenden Zahl
an Beratern mit umfassender Expertise in diesem Bereich in Anspruch zu nehmen.
Ich habe gesagt, dass wir ¸ber den subjektiven Vergleich von Maklern und Versicherern
hinausgehen und uns ansehen m¸ssen, wie Firmen in anderen Branchen ihre Produkte liefern und
die Qualit”t ihrer Abl”ufe bewerten. Ein Unternehmen einer bestimmten Branche wird im
allgemeinen Gelegenheiten f¸r radikale grunds”tzliche Verbesserungen nicht dadurch
identifizieren, dass es sich einfach nur andere Unternehmen derselben Branche ansieht.
Das Konzept Sechs Sigma ist nicht neu. In den 80er Jahren produzierten japanische Hersteller
Konsumg¸ter wie Armbanduhren und Fernseher, die dem Sechs-Sigma-Standard entsprachen. Damals
wurde berichtet, dass die Qualit”t der amerikanischen Konsumg¸ter im Durchschnitt bei Vier
Sigma bzw. 6.000 M”ngeln pro eine Million Artikel lag. Motorola fiel jedoch auf, dass die
Japaner diesen hohen Qualit”tsstandard nur im Bereich der G¸terproduktion anwandten. Die
radikale Verbesserung der Qualit”t und Produktivit”t ihrer Gesch”ftsabl”ufe stand den
japanischen Firmen noch bevor. Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre ¸bernahm Motorola die
Sechs-Sigma-Methode und verbesserte seine Leistung von vier auf f¸nfeinhalb Sigma; dadurch
wurden Einsparungen von sch”tzungsweise $2,2 Milliarden erzielt. Allied Signal und Texas
Instruments folgten bald dem Beispiel von Motorola. Ende 1995 bekannte sich General Electric zu
seiner eigenen Version von Sechs Sigma. G.E. ¸bernahm ein Motiv aus dem Kampfsport, mit dem die
F”higkeiten einer Person bei der Anwendung verschiedener statistischer Analyseinstrumente mit
dem Gr¸nen G¸rtel, dem Schwarzen G¸rtel, dem Schwarzen Meisterg¸rtel und Siegertiteln
eingestuft wurden.
Was jedoch bedeutet das alles f¸r uns? Sind das nicht alles Fertigungsunternehmen? Geh–ren
Versicherungen denn nicht in den Bereich der Finanzdienstleister? Zun”chst einmal m–chte ich
darauf hinweisen, dass G.E., zu dem Unternehmen wie G.E. Capital und NBC Television Network
geh–ren, weitaus mehr als ein Fertigungsunternehmen ist. Wie wir noch besprechen werden,
befassen sich alle Unternehmen, gleich ob sie im Fertigungs- oder Dienstleistungsbereich
sind, mit Abl”ufen. Aus diesem Grund kann die Sechs-Sigma-Methode auch auf
Finanzdienstleistungen erfolgreich angewandt werden, wie sie f¸r meine Firma maþgeschneidert
und jetzt auch von AIG in eigener Version ¸bernommen worden ist.
Es ist interessant festzustellen, dass keine der erw”hnten, ”uþerst erfolgreichen
Qualit”tsinitiativen bei Motorola, Allied Signal, Texas Instruments und G.E. auf ein Konsortium
oder einen Kongress der betreffenden Branche zur¸ckgeht. Es handelt sich um jeweils unilaterale
Bem¸hungen einzelner Unternehmen, die die Methodologie ihrer eigenen Unternehmenskultur und
ihrem Kundenkreis anpassten. Jetzt, wo der QIC seine Aufmerksamkeit auf diese Thematik
gerichtet hat, werden meiner Ansicht nach auch die einzelnen Unternehmen Bem¸hungen in Sachen
Qualit”t im Versicherungswesen anstrengen, so wie das bei Progressive der Fall war.
Die DMAVIK-Analyse untersucht einen Ablauf von ÑAnfang bis Endeì. In einer Umgebung, in der
DMAVIK angewandt wird, werden Sie st”ndig den Begriff ÑProjekte von Anfang bis Endeì h–ren.
[rework] Im Gesch”ftsbereich meiner Firma kann dies bedeuten Ñvon der Ausf¸hrung eines Handels
bis zum Erhalt der Best”tigung der Gegenparteiì. Im Versicherungswesen kann es bedeuten Ñvom
Augenblick des Autounfalls bis zum Erhalt der Schadensersatzzahlung durch den
Versicherungsnehmerì. Eine solche Analyse kann definitionsgem”þ die gesamte Organisation
umfassen.
Versicherungsgesellschaften und andere Firmen, die im Bereich des Risiko- und
Versicherungsmanagements gesch”ftlich miteinander zu tun haben, sind ein auþergew–hnlich
lohnendes Feld f¸r eine Analyse von Anfang bis Ende unter Einbeziehung der gesamten Struktur
der Organisation. Ich sage dies, weil organisations¸bergreifende Betrachtungsweisen
Versicherern und Unternehmen, die mit ihnen arbeiten m¸ssen, eher fremd sind. Versicherung wird
st¸ckweise geliefert. Zun”chst gibt es da die Risiko¸bernahme und dort die Anspr¸che. Warum der
Komplex der Anspr¸che, die doch den Grund f¸r die Risiko¸bernahme darstellen, von der
Risiko¸bernahme getrennt sein soll, war mir nie klar. Ich nehme an, dies ist der Fall, weil die
beiden Bereiche unterschiedlichen Kunden dienen. Die Risiko¸bernahme versucht, ein Produkt
bereitzustellen, das vom Kunden, dem Versicherungsnehmer, gekauft wird, und der Bereich
Anspr¸che dient seinen Kunden, den Aktion”ren des Versicherers, indem er den Abfluss von
Barmitteln auf ein Minimum beschr”nkt.
Betrachten Sie einmal die Tatsache, dass die Sachbearbeiter f¸r Sach-, Schadens- und
Personenversicherung, der Agent f¸r Managerhaftpflicht, der Guru f¸r Boiler und Maschinen und
viele weitere Experten m–glicherweise zwanzig Jahre lang alle im selben Geb”ude sitzen,
Versicherungen f¸r die gleichen Kunden abschlieþen und oftmals nach denselben Informationen
fragen, und dennoch wird jeder einzelne dieser Spezialisten sofort bereitwillig zugeben, dass
er nur wenig oder gar nichts von dem versteht, was die anderen machen.
Ich bin sicher, ich k–nnte immer noch bei einer Versicherungsgesellschaft sitzen und anhand
meines erprobten Versicherungshandbuchs Verbrechensversicherungen abschlieþen. Nachdem mich
Chase jedoch 1973 als Sachbearbeiter f¸r Verbrechensversicherung eingestellt hatte, bestand
meine erste Amtshandlung in der Mitteilung, dass ich alle anderen Formen von Sach- und
Schadenversicherungen lernen wollte. Woraufhin mein Chef antwortete: ÑNun, das ist alles nicht
so schwierig, aber es ist eine ganze Menge.ì Es ist tats”chlich nicht so schwierig und die
Tatsache, dass man Spezialisierung in dem derzeit vorhandenen Maþe zugelassen, dann
geographisch vervielfacht und in allen anderen Firmen, die mit Versicherern zu tun haben,
weiter dupliziert hat, hat zur unn–tigen Zersplitterung des Versicherungswesens beigetragen.
Aus all diesen Gr¸nden ist im Versicherungswesen eine Analyse von Anfang bis Ende dringend
n–tig, und zwar organisations¸bergreifend und unter Einbeziehung aller Teilbereiche.
DMAVIK (DMAIIC) Ich m–chte Ihnen gerne ein besseres Verst”ndnis von DMAVIK (DMAIIC) vermitteln.
Wie ich bereits gesagt habe, steht das Akronym f¸r Definieren, Messen, Analysieren, Verbessern,
Implementieren und Kontrollieren. Wir werden lediglich die beiden ersten Schritte eingehend
betrachten, um einen Eindruck von der rigorosen Beschaffenheit dieses streng quantitativen
Analyseprozesses zu gewinnen. Die schriftlichen Unterlagen, die ich verteilt habe, enthalten
jedoch eine Zusammenfassung der weitaus umfassenderen und detaillierten Darstellung des
gesamten Prozesses. Wir werden uns zuerst ansehen, wie die Reichweite einer Analyse von Anfang
bis Ende definiert wird.
DEFINIEREN
Obwohl Sechs Sigma seiner Art nach ein streng quantitatives Instrument ist, spiegelt es den
Umstand wider, dass es von Menschen innerhalb eines bestimmten sozialen und politischen
Kontextes angewandt wird. Insbesondere erkennt es die Notwendigkeit, den WIIFM-Faktor eingehend
zu ber¸cksichtigen. WIIFM ist ein Akronym f¸r ÑWHATíS IN IT FOR ME?ì (Was bringt es f¸r mich?)
Es ist wesentlich, s”mtliche Ressourcen, die zur erfolgreichen Abwicklung eines Projekts von
Anfang bis Ende notwendig sind, pr”zis zu identifizieren und aufeinander abzustimmen. Dazu
geh–rt die sorgf”ltige Festlegung einer Vielzahl von Rollen. Unter den ausgew”hlten Mitgliedern
des Teams befinden sich Experten verschiedener Bereiche, Bereichs- und Personalleiter sowie
Berater f¸r die Neugestaltung der Abl”ufe. Bei der Zuweisung der Rollen werden die
Hauptinteressenvertreter und deren pers–nliche Haltung gegen¸ber dem Projekt detailliert
analysiert und es wird dokumentiert, wer sich f¸r das Projekt engagiert, wer nicht und wessen
Engagement unverzichtbar ist. Kurz gesagt, wenn diejenigen, die engagiert sein m¸ssten, es
nicht sind, hat die Fortf¸hrung des Projekts keinen Sinn.
Sind die richtigen Ressourcen einmal identifiziert und die Richtlinien f¸r das Team
ausgearbeitet, kann die Definition der Projektziele und Ergebnisse formalisiert werden.
Ðbergeordnetes Prinzip hierbei ist, dass das Erreichen der Ziele und Ergebnisse einem
Gesch”ftszweck dient. Ein Gesch”ftszweck wird stets als das definiert, was aus Sicht des Kunden
entscheidend f¸r die Qualit”t (CTQ, CRITICAL TO QUALITY) ist. Im Kontext des
Versicherungswesens k–nnte zum Beispiel die schnellere Schadensersatzzahlung ein CTQ sein, wenn
man davon ausgeht, dass bei Anspr¸chen der Versicherungsnehmer der Kunde ist.
Wenn die Ziele und Ergebnisse definiert sind, kann ein Projektplan entwickelt werden. Dieser
Plan beschreibt ausdr¸cklich die Aktivit”ten, die zum Abschluss des Projekts notwendig sind,
und legt den gesamten Zeitplan Punkt f¸r Punkt fest, auch die Etappenziele und erforderlichen
Ressourcen.
Liegt der Projektplan vor, kann das Team den Kommunikationsplan formulieren. Der
Kommunikationsplan wird unter Ber¸cksichtigung der folgenden Fragen entworfen:
Wer muss Bescheid wissen? Wer ist die Zielgruppe? Bef¸rworter, Interessengruppen,
Teammitglieder, Produktivit”tsb¸ro, Mitarbeiterschaft, Kunden, Rating-Agenturen,
Aufsichtsbeh–rdenÖ
Was m¸ssen sie wissen?
Wie oft m¸ssen sie informiert werden?
Auf welchem Weg werden sie informiert? Schriftlich, elektronisch, im Rahmen organisierter
Veranstaltungen, durch symbolische Gesten und/oder in pers–nlichen Einzelgespr”chen oder
Gruppendiskussionen.
Ein weiterer realit”tsbezogener Aspekt des DMAVIK-Prozesses ist die Tatsache, dass er
fortw”hrend zur¸ckgreift, um fr¸here Annahmen und Entscheidungen neu zu bewerten. Diese
Kontrollpunkte, die durchlaufen werden m¸ssen, bevor die n”chste Phase gestartet werden kann,
werden auch Pr¸fsteine (Tollgates) genannt.
Sind wir der Ansicht, dass wir die Aufgaben des Abschnitts ÑDefinierenì vollst”ndig erf¸llt
haben, m¸ssen wir die folgenden Fragen beantworten, bevor wir zur n”chsten Phase ¸bergehen
k–nnen.
DEFINItionsPHASE: Pr¸fstein Stellt das Projekt eine echte Chance f¸r das Unternehmen dar?
Wurden die ÑErgebnisseì zur Entwicklung des Gesch”ftsfalles genutzt? Haben wir das richtige
Team? Kennen alle Teammitglieder die Reichweite des Projekts? Haben wir die richtigen
Interessengruppen einbezogen? Haben wir einen ad”quaten Kommunikationsplan? Haben wir einen
detaillierten Projektplan?
W”hrend wir den ersten Buchstaben des Akronyms DMAVIK kurz besprochen haben, ist Ihnen, so
hoffe ich, wenigstens ansatzweise klar geworden, dass es sich hier nicht um ein abgehobenes
Unterfangen handelt. Dies ist von Anfang bis Ende ein straffer Prozess zur Selbstkontrolle. Die
Definitionsphase ”hnelt vielleicht den Diskussionen, die heute bei Entscheidungen zur Zuteilung
milit”rischer Ressourcen stattfinden... Was genau versuchen wir zu erreichen? Welche Ressourcen
sind notwendig, um es zu erreichen? Und wie wissen wir, wann unsere Mission erf¸llt ist?
MESSEN Wie ich bereits sagte, steht das ÑMì in DMAVIK f¸r Messen. Die Bedeutung der Messphase
des Prozesses kann nicht genug betont werden. Das Grundprinzip von Sechs Sigma lautet: Wenn
etwas nicht gemessen werden kann, hat es keinen Sinn, dar¸ber zu reden, da wir nie in der Lage
sein werden, eine Verbesserung zu bewerten. Das Prinzip impliziert jedoch die Ðberzeugung, dass
jeder Ablauf auf irgendeine Art und Weise quantifiziert und gemessen werden kann.
Bevor eine Messung beginnen kann, muss ein umfassendes, gr¸ndliches Verst”ndnis des Prozesses
von Anfang bis Ende erarbeitet werden.
Was sind die Aktivit”ten?
Welches sind die kritischen Parameter?
Welche Systeme sind beteiligt?
Welche Leute sind beteiligt?
Welche Daten und Informationen sind kritisch?
Wie ”uþert sich der Kunde?
Wie ”uþert sich der Prozess?
Was ist das aktuelle Leistungsniveau der Attribute, die der Kunde als entscheidend f¸r die
Qualit”t (CTQs) ansieht? Bei DMAVIK sprechen wir tats”chlich ¸ber das, was dem Kunden Freude
machen k–nnte. Wenn im Versicherungswesen ein Kunde zum Beispiel eine Schadensersatzforderung
aus einer Managerhaftpflichtversicherung vorlegt, ist es dem Kunden dann am wichtigsten,
schnell einen Brief vom Anwalt des Versicherers mit umfassender Rechtsvorbehaltung zu erhalten,
der ¸ber jede erdenkliche M–glichkeit informiert, wie der Anspruch m–glicherweise nicht gedeckt
ist? Oder w¸rde es den Kunden vielmehr freuen, wenn der Versicherer seinen Wunsch, dem Kunden
beizustehen, best”tigt und darauf hinweist, dass bestimmte Probleme des Versicherungsschutzes
m–glicherweise besprochen werden m¸ssen?
Um ein vollst”ndiges und gemeinsames Verst”ndnis des Prozesses zu gew”hrleisten und eine
Ausgangsbasis f¸r die Entwicklung neuer Ideen zu schaffen, ist normalerweise die grafische
Ablaufdarstellung wesentlich. Auf allgemeinster Ebene erfasst das Ablaufdiagramm, was f¸r heute
Vormittag ñ ich verspreche es Ihnen! ñ das letzte Akronym sein wird: SIPOC (THE SUPPLIERS,
THEIR INPUTS, THE PROCESS STEPS, THE OUTPUTS AND THE CLIENTS), also die Zulieferer, ihre
Inputs, die Ablaufschritte, die Ou t p u t s u n d d i e K u n d e n . D e t a i l l i
e r t e A b l a u f d i a g r a m m e k – n n e n r e c h t k o m p l e x s e i n .
V i e l l e i c h t s i n d S i e b e r e i t s m i t d e n s t a n d a r d m ” þ i
g e n S y m b o l e n d e r A b l a u f d a r s t e l l u n g v e r t r a u t :
A K T I V I T Ÿ T
A U S F Ð H R E N D E R R e s u l t a t
S Y M B O L 4 0 \ f " S y m b o l " \ s 4 8 (• S Y M B O L 6 5 \ f " S y m
b o l " \ s 4 8 A• S Y M B O L 4 1 \ f " S y m b o l " \ s 4 8 )• V
E R B I N D U N G S G L I E D A U S L ÷ S E R
E N T S C H E I D U N G
( K O N T R O L L P U N K T A b l a u f d a r s t e l l u n g i s t e i n e D i s z i p
l i n f ¸ r s i c h , m i t d e r s i c h g a n z e S t u d i e n p r o g r a m m
e b e s c h ” f t i g e n .
I c h w i l l e s h i e r n i c h t v e r s u c h e n - - a b e r stellen Sie
sich vor, wie komplex das Ablaufdiagramm f¸r die Schaffung und Syndizierung eines neuen
Versicherungsproduktes sein w¸rde. Bei einer groþen Platzierung von sagen wir 400 Millionen
k–nnen ¸ber 30 Hauptversicherer mit umfassender R¸ckversicherung und Retrozession beteiligt
sein. Die Notwendigkeit, bei einer groþen Platzierung so viele Tr”ger einzubeziehen, resultiert
aus der begrenzten Kapazit”t der einzelnen Versicherer. Laut A. M. Best haben von insgesamt
vielleicht 2000 separaten Sach- und Schadensversicherern in Nordamerika nur ungef”hr 70
Versicherungsnehmer mit einem Eigenkapital von mehr als einer Milliarde Dollar.
Es ist wichtig, dass alle Elemente des Ablaufs ber¸cksichtigt werden. Das Inventar der
Elemente, aus denen der Ablauf besteht, muss folgendes umfassen:
Produkte: angebotene Produkte, bediente Sektoren
Organisation: Rollen und Verantwortlichkeiten, Entlohnung und Anerkennung, Schulung
Technologie: Hardware/Software-Informationsarchitektur
Einrichtungen: Zentralisierung, Dezentralisierung, gemeinsam benutzte Dienstleistungen
Policen: Kontrolle, Qualit”t, Standards
Ist der Ablauf erst einmal gr¸ndlich verstanden und ausgearbeitet, sind m–glicherweise einige
schnelle Verbesserungen augenscheinlich. Nehmen Sie die Pr”mienzahlung. In einem Zeitalter, in
dem Gesch”ftsbanken Hunderte von Milliarden Dollar am Tag ¸berweisen k–nnen, zahlen wir
Versicherungspr”mien noch wie im Jahr 1800, indem wir Dokumente vom Versicherer ¸ber den Makler
an den Versicherten reichen und schlieþlich wieder an den Versicherer zur¸ckgeben. Ein
einfaches Ablaufdiagramm k–nnte nahelegen, dass von diesen f¸nf Schritten zwei unn–tig sind.
Derselbe Ablauffluss findet bei der Schadensersatzzahlung auch in entgegengesetzter Richtung
statt.
Infolgedessen befindet sich ein erheblicher Geldbetrag st”ndig in den H”nden des
Zwischenmaklers und ist zwischen Versicherungsnehmer und Versicherer in Form von Pr”mien und
zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer in Form von Anspruchszahlungen unterwegs. Da diese
Mittel nicht Eigentum des Zwischenmaklers sind, weist der Makler diese Betr”ge als
Ñtreuh”nderisch verwaltete Geldmittelì aus. Obwohl der Makler die Geldmittel des
Versicherungsnehmers und des Versicherers in seiner Eigenschaft als Treuh”nder h”lt und
investiert, ist der Versicherungsmakler vielleicht der einzige Treuh”nder, der den Inhabern der
Geldmittel, die er anlegt, keine Kapitalertr”ge verschafft. Ob das ein wichtiges Thema ist? Der
gr–þte von einem Makler gehaltene, treuh”nderisch verwaltete Betrag belief sich Ende des
dritten Quartals 1999 auf 3,5 Milliarden Dollar und brachte dieser einen Firma auf Jahresbasis
umgerechnet Ertr”ge von ¸ber 160 Millionen Dollar; wenn man diese Zahlen hochrechnet, k–nnte
die Maklerbranche insgesamt m–glicherweise treuh”nderisch verwaltete Geldmittel in H–he von
durchschnittlich $5 bis $10 Milliarden verwalten. Die Eigent¸mer dieser Geldmittel verdienen an
diesen gar nichts und die ÑTreuh”nderì erwirtschaften Ertr”ge in H–he von Hunderten von
Millionen, die direkt in deren Reingewinne einflieþen.
Sollte denn in einer Zeit, in der Risikomanager so viel Energie auf die Frage des
Erfolgshonorars f¸r Makler aufgewendet haben, dies nicht als ein weiteres Element der Verg¸tung
in Erw”gung gezogen werden? Besonders da diese Hundertmillionen, die durch treuh”nderisch
verwaltete Geldmittel geschaffen werden, andernfalls f¸r die Risikofinanzierung, den
grundlegenden Kundenbedarf, abgestellt werden k–nnten. Das heiþt, sofern im Fall treuh”nderisch
verwalteter Geldmittel der Makler nicht der Kunde des Maklers ist.
Kehren wir nun zu DMAVIK zur¸ck; da der Ablauf nun von Grund auf verstanden und durch
erkennbare Ad-Hoc-Verbesserungen dokumentiert ist, k–nnen wir beginnen, uns dem Kern der Sache
zuzuwenden und bestimmen, was der Kunde als entscheidend f¸r die Qualit”t betrachtet. Der Kunde
hat zahlreiche M–glichkeiten, sich zu ”uþern:
Beschwerden Komplimente Produktr¸ckgaben Bevorzugung beim Kauf von Produkten/Dienstleistungen
Vertragsk¸ndigungen Ver”nderungen des Marktanteils Treuebr¸che/Abschl¸sse Empfehlungen
Prozentsatz erfolgreicher Abschl¸sse bei Werbekampagnen Sonstiges: Zum Beispiel die Art
einzelner Kundenbesuche auf einer Unternehmens-Website
Sprachrohr f¸r diese unterschiedlichen Stimmen sind die verschiedenen Medien. Recherchen k–nnen
Interviews, Zielgruppen, Umfragen und Beobachtungen umfassen. Weniger formale
Informationsquellen ergeben sich durch den Input von Kundendienst- und Verkaufsvertretern sowie
Mitarbeitern der Rechnungs-, Forderungs- und Zahlungseinzugsabteilung. Innerhalb der Firma
stehen auch interne und externe Daten von Branchenexperten, Sekund”rquellen und Konkurrenten
zur Verf¸gung.
Wie ich bereits erw”hnte und auch gerne wiederhole, bin ich der Ansicht, dass eine der gr–þten
Bruchstellen zwischen Risiko¸bernahme und Anspruchsbearbeitung im Versicherungswesen die
ver”nderte Einstellung dem Kunden gegen¸ber ist. Bei Vertragsabschluss ist der Kunde ganz
offensichtlich der Versicherungsnehmer, und das Produkt muss den Erwartungen des
Versicherungsnehmers angepasst werden. Beim Prozess der Anspruchsbearbeitung scheinen die
F¸hrungskr”fte und Aktion”re des Versicherers der Kunde zu sein, und der Prozess wird so
angelegt, dass der Barmittel-Abfluss so gering wie m–glich bleibt. Dies wird sogar noch
deutlicher, wenn man es mit Schadensregulierern zu tun hat, deren Kunde in der Tat die
Versicherungsgesellschaft ist. Es wird noch verwirrender; k¸rzlich erz”hlte mir ein leitender
Agent, dass viele seiner Kollegen im Versicherungsabschluss glauben, der Kunde sei der Makler.
Sobald die nach Ansicht des Kunden f¸r die Qualit”t entscheidenden Produkt- und
Dienstleistungsmerkmale, Attribute, Dimensionen und Charakteristika (die CTQs) identifiziert
worden sind, k–nnen ad”quate Messsysteme entwickelt werden, die sich an folgenden Kategorien
orientieren: KATEGORIEN BEISPIELE Reaktionsschnelligkeit . Police innerhalb von 10
Tagen ab Erneuerung
. Reaktion auf Schadensmeldung aus einer KFZ- Versicherung innerhalb von zwei Stunden
Genauigkeit . Keine Fehler bei der Dokumentation von Policen
Kundendienst . 24 Stunden/7 Tage die Woche verf¸gbar . H–chstens drei Klingelzeichen,
bevor das Telefon abgenommen wird
. Falls ein Anrufbeantworter antwortet, h–chstens 20 Sekunden, bis ein Mitarbeiter das
Telefon abnimmt Kosten . Der Kunde will m–glicherweise nicht mehr als eine bestimmte
Anzahl Basispunkte pro Million Versicherungssumme zahlen
Mit diesen Maþeinheiten kann die aktuelle Leistung gemessen und es k–nnen k¸nftige Ziele ins
Auge gefasst werden:
CTQMaþeinheitAktuelle LeistungZiel Ich glaube, Sie k–nnen sehen, wie sich diese Methode von der
QIC-Untersuchung unterscheidet, bei der Ausdr¸cke wie Ñrechtzeitigì ohne Definition verwendet
wurden. Wie ich bereits sagte, wenn wir nicht messen k–nnen, haben wir keine
Diskussionsgrundlage.
Zu den Messsystemen geh–ren ferner Maþeinheiten f¸r Effizienz und Wirtschaftlichkeit.
Die Maþeinheiten f¸r die Effizienz umfassen: Kosten pro Transaktion Zeitaufwand pro Aktivit”t
Umfang der Nacharbeitung Bearbeitungszeit Variabilit”t der Aktivit”t
Die Maþeinheiten f¸r die Wirtschaftlichkeit umfassen: Prozentsatz der M”ngel Fehleranzahl
Reaktionszeit insgesamt Genauigkeit der Rechnungsstellung Umsatzerl–s
Der n”chste Schritt besteht logischerweise darin, einen statistisch fehlerfreien Plan f¸r die
Datensammlung sowie deren graphische Darstellung unter Ber¸cksichtigung der bereits
existierenden Daten zu erstellen. F¸r mich ist die graphische Darstellung einer der
interessantesten Aspekte dieser Phase, weil die Pr”sentationsform der Informationen wesentlich
f¸r das Verst”ndnis des zu bewertenden Ablaufs ist.
Die meisten unter uns sind mit Gantt-Karten vertraut, wie sie beim Projektmanagement verwendet
werden. Im Allgemeinen sind wir jedoch mit Run-, Pareto- und Streudiagrammen, Histogrammen und
Ursache-Wirkung-Diagrammen, die jeweils unterschiedliche Betrachtungsweisen des Ablaufs
erm–glichen, weniger vertraut.
Da wir nun die CTQs, die zu sammelnden Messdaten und die Beschaffenheit der kurz- bzw.
langfristigen Daten festgelegt haben, kann die Sigma-Leistung gemessen werden. Je nach Datentyp
gibt es unterschiedliche Messverfahren, und ich m–chte Sie heute Vormittag nicht mit all den
komplexen Berechnungen belasten. Auf vereinfachte Weise pr”sentiert sich die Sigma-Skala jedoch
wie folgt: Sigma 2 3 4 5 6M”ngel pro Million 308.537 66.807 6.210 233 3,4
Ein ÑMangelì ist die Nichterf¸llung eines CTQs.
Bevor wir die Messphase hinter uns lassen, m¸ssen wir uns den folgenden Pr¸fstein-Fragen
zuwenden:
Messphase: Pr¸fsteine Haben wir den Prozess holistisch betrachtet? Aktivit”ten, Informationen,
Menschen, Systeme usw.? Wurde der Prozess auf ad”quater Ebene betrachtet? Wurde der Bedarf des
Kunden identifiziert und wurde ihm Priorit”t einger”umt? Wurden messbare Anforderungen
identifiziert, die entscheidend f¸r die Qualit”t sind? Stehen diese in direktem Zusammenhang
mit dem Bedarf des Kunden? Wurde das aktuelle Sigma-Leistungsniveau f¸r die kritischen
Maþeinheiten bestimmt? Wurden Ziele auf der Grundlage des Kundenbedarfs festgelegt? Haben wir
die Problem- und Zieldefinitionen verfeinert?
Nachdem wir uns nun einige Zeit mit mit den Bereichen Definieren und Messen besch”ftigt haben,
werden wir uns kurz den vier weiteren Phasen von DMAVIK zuwenden: Analysieren, Verbessern,
Implementieren und Kontrollieren. In den schriftlichen Unterlagen finden Sie allerdings mehr
Details. Wenn Sie ¸brigens das Stichwort ÑSix Sigmaì auf dem WWW suchen, finden Sie ¸ber 3000
Eintragungen.
Analysieren Das Ziel der Analysephase besteht in der Untersuchung der Daten, die w”hrend der
Messphase gesammelt wurden, um herauszufinden warum der Ablauf so funktioniert, wie er heute
abl”uft, wobei die Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung identifiziert und quantifiziert
werden.
Verbessern Das Ziel der folgenden Verbesserungsphase besteht in der Identifizierung erheblicher
Verbesserungen, Lokalisierung von Alternativen mit hohem Gewinnpotential, Wahl der besten
Methode, Planung des k¸nftigen Status, Bestimmung des neuen Sigma-Niveaus, Durchf¸hrung von
Kosten-Nutzen-Analysen, Erstellung von Tabellen und Protokollen sowie eines vorl”ufigen
Implementierungsplans.
Andere Firmen, die die DMAVIK-Methode angewandt haben, haben die Implementierung nicht als
eigenst”ndige Phase herausgel–st. Wir wollten jedoch sichergehen, dass wir nicht einfach die
M–glichkeiten zur Verbesserung des Ablaufs bestimmen und den Sieg erkl”ren, ohne die
Ver”nderungen tats”chlich zu implementieren. Daher haben wir eine separate f¸nfte
Implementierungsphase eingeschlossen.
Implementieren Ziel der Implementierungsphase ist die Entwicklung eines Pilotplans f¸r die
Implementierung, die Umsetzung des Plans, das Lernen aus den Resultaten, die Schaffung eines
vollst”ndigen Implementierungsplans, Durchf¸hrung der endg¸ltigen L–sung, Messung der
Resultate, Entwicklung von Kontrollmethoden und Verwaltung der Ver”nderungen.
Kontrollieren Die letzte Phase von DMAVIK ist die Kontrolle, deren Ziel im Start des neuen
Ablaufs besteht, der st”ndigen Verbesserung des Motors, der Berichterstattung der Daten aus
Tabellen und Protokollen, Schaffung von Feedbacks f¸r Zielgruppen, Anpassung je nach Bedarf und
Identifizierung von Gelegenheiten zur Nachahmung, das heiþt der Identifizierung anderer
gleichartiger Abl”ufe, die mit ”hnlichen Mitteln verbessert werden k–nnten.
Zusammenfassung Abschlieþend m–chte ich Sie bitten, die Thematik der Qualit”t auf zwei Ebenen
zu betrachten. Die Gelegenheiten zur Verbesserung der Effizienz im Bereich des Risiko- und
Versicherungsmanagements sind offensichtlich enorm groþ. Es besteht f¸r Risikomanager jedoch
ebenfalls Gelegenheit, eine wichtige Rolle bei den Initiativen f¸r Qualit”t in den eigenen
Firmen zu spielen. Wie Sie vielleicht bereits erraten haben, unterscheidet sich der
DMAVIK-Prozess gar nicht so sehr vom klassischen Mantra des Risikomanagements: Identifizierung,
Bewertung, Schadenminderung, eventuelle Finanzierung sowie Ðberwachung. Risikomanager waren
schon immer Prozessanalysten, die stets die Risiken der verschiedenen Aspekte eines Prozesses
zu bestimmen suchten. Sechs Sigma ist ein weiteres Instrument, mit dem wir nicht nur Risiken,
sondern auch ineffiziente Abl”ufe identifizieren k–nnen.
Die meisten Risiko- und Versicherungsmanager fallen unter die Kategorie, die man an der Wall
Street als ÑNicht-Ertragsproduzierendeì bezeichnet, das heiþt also Menschen wie ich selbst, die
nicht direkt zum Endgewinn beitragen, aber nichtsdestotrotz die Unverfrorenheit besitzen, Raum
einzunehmen und Atemluft wegzuschnappen. Unabh”ngig von der Art der Firma, f¸r die Sie t”tig
sind, bietet Ihnen die Sechs-Sigma-/DMAVIK-Methode ein Instrument, mit dem Sie Ihren Beitrag
zur Firma steigern k–nnen, und zwar nicht nur durch die Verringerung der Unkosten, sondern
durch die Verbesserung der Gewinnspannen und tats”chliche Steigerung der Umsatzerl–se.
Mein Ziel bestand heute Vormittag einfach darin, Ihnen diese Methode vorzustellen. Ich hoffe,
Sie werden sie weiterverfolgen und hilfreich finden.
Ich kann mir keinen besseren Abschluss dieses Vortrags vorstellen als mit einem Zitat aus dem
letzten Artikel meines Freunds Douglas Barlow, in dem er uns daran erinnert, dass Ñjedes
Management Risikomanagement ist.ì
Dankesch–n.
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